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Samstag, 2. April 2011

[Rezension] Herr Mozart wacht auf von Eva Baronsky



Gerade noch liegt Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1791 auf seinem Sterbebett, um im nächsten Moment im Jahre 2006 in einer Studenten-WG wieder zu erwachen.

Völlig verwirrt nicht im Himmel gelandet zu sein, muss Mozart in einem für ihn völlig fremden Wien zurechtkommen. Schnell wird für ihn klar, dass er noch eine Aufgabe zu erfüllen hat: Sein unvollendetes Requiem vollenden.

So beginnt für Mozart, der sich nun Herr Mustermann nennt, denn wer würde ihm schon glauben, sein größtes Abenteuer. Für uns normale Dinge wie fließend Wasser, Elektrizität, CDs, die komplette Orchester erklingen lassen und Autos sind ihm natürlich völlig fremd und wirken auf ihn sehr grotesk und verwunderlich. Diese ihm völlig unbekannten technischen Errungenschaften stellen Mozart so manches Mal vor scheinbar unlösbare Rätsel und sorgen auch gerne für viele Missverständnisse mit seinen Mitmenschen.

Schnell lernt Mozart zu seinem Glück den Straßenmusiker Piotr kennen, der dem seltsamen Kauz Obdach und Arbeit gewährt. Von Piotr lernt Mozart sich einigermaßen in der Zeit des 21. Jahrhunderts zurechtzufinden.

Nur, was wird passieren, wenn Mozart seine Aufgabe erfüllt hat und sein unvollendetes Requiem zur Vollendung gebracht hat?


Kritik

Mit "Herr Mozart wacht auf" hat Eva Baronsky einen zauberhaften, lebendigen und auch tragikomischen Roman über eine verwirrende Zeitreise des begnadeten Wolfgang Amadeus Mozart geschrieben. Die Verwirrung, die Mozart aufgrund des ihm nun so fremden Wiens empfindet, hat die Autorin meisterhaft und sehr glaubwürdig umgesetzt.

Zeitreise-Romane gibt es ja viele, dabei wird die Reise in die Vergangenheit oft bevorzugt. Die Autorin Eva Baronsky hat dieses einmal umgekehrt und damit einen ganz besonderen Roman geschaffen. Die elegante und glaubwürdige Handlung, die sprachlichen Nuancen und die, für einen Menschen aus Mozarts Zeit, Eigentümlichkeiten unserer Zeit, schaffen es, den Menschen Mozart und sein Genie in einem bezaubernden Roman aufleben zu lassen.

In einem für die heutige Zeit passenden Sprachstil hat die Autorin die für uns sonderbare, blumige Art sich auszudrücken aus dem späten 18. Jahrhundert brillant übertragen. Mozarts Art zu sprechen und seine Gedankengänge sind typisch und seiner Zeit entsprechend in den Roman integriert und verstärken dadurch die Authentizität. Dem flüssigen Erzählstil kann der Leser leicht folgen und so fällt es leicht, Mozart auf seine Reise im 21. Jahrhundert zu folgen. Auch schafft es Eva Baronsky, die Stimmung und die Gefühle, die dieses Genie empfinden muss, überzeugend dem Leser nahe zu bringen. Schnell leidet, wundert, freut und liebt man mit diesem scheinbar so absonderlichen Menschen mit.

Die Kapitel- beziehungsweise Requiem-Unterteilung ist komplett in Latein gestaltet, hier fehlt eindeutig eine Übersetzung ins Deutsche, da Latein doch eine Sprache ist, die nicht allgegenwärtig ist. Diese hätte als Fußnote oder im Anhang gewiss großen Anklang bei den Lesern gefunden.

Eva Baronsky erzählt Mozarts Zeitreise aus der Perspektive eines Beobachters, der sich ganz auf diesen Mann konzentriert. Schnell findet der Leser so Zugang zu dieser einnehmenden und äußerst liebenswerten Figur.

Mozart wird so beschrieben, wie sein Leben überliefert wurde. Er lebt nur für seine Musik und für die Liebe, vergisst dabei die Zeit und wichtige Termine. Auch kann er wie zu Lebzeiten überhaupt nicht mit Geld umgehen, was sein Leben sicher nicht einfach macht. Durch seine blumige Sprache, die Dialoge, die er führt und besonders auch die wundervollen Briefe, die Mozart in diesem Roman an seine Anju schreibt, wirkt er sehr authentisch.

Piotr verzweifelt so manches Mal an seinem neuen Freund und Kollegen Herrn Mustermann, die ganze Welt muss er ihm erst wieder erklären und verlassen kann er sich auf Mozart auch nicht immer. Trotzdem steht er Mozart immer zur Seite, wenn dieser mal wieder seine Hilfe braucht. Piotr ist hier die gute Seele, auf die unser Genie sich vollkommen verlassen kann.

Auch im 21. Jahrhundert begegnet Mozart der Liebe, hier ist es die junge Forscherin Anju. Nach einem großen Missgeschick Mozarts kann Anju ihm doch verzeihen und die beiden verlieben sich heftig ineinander. Dieses Glück bleibt aber nicht ungetrübt, denn was soll eine junge Frau denn schon glauben, wenn ihr ihr Freund offenbart, dass er der vor über 200 Jahren verstorbene Mozart ist? Die Gefühle und der Zwiespalt, in dem sich Anju befindet, sind sehr glaubwürdig konzipiert, leider bleibt Anju sonst sehr blass.

Die Nebenfiguren fallen in diesem Roman kaum auf, blass und unscheinbar konzipiert bleiben diese nicht allzu lange im Gedächtnis.


Fazit

Mit "Herr Mozart wacht auf" hat die Autorin Eva Baronsky das Genie Mozart auf eine Zeitreise geschickt, die diese Figur nicht nur verwirrt. Die Autorin hat es geschafft, Mozart noch einmal lebendig werden zu lassen und stellt ihn vor sein größtes Abenteuer, das Leben in unserer Zeit.

Diese wunderbare Geschichte kann allen empfohlen werden, die sich von Mozart begeistern lassen und eine tragikomische Geschichte zu lieben wissen. Ich habe dieses liebenswert geschriebene Buch verschlungen.


Autorin

Eva Baronsky, 1968 geboren, lebt im Taunus. Für ihren ersten Roman "Herr Mozart wacht auf" (2010) erhielt sie den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe. Im Frühjahr 2011 erschien ihr zweiter Roman "Magnolienschlaf".


Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN-13: 978-3746626963
www.aufbau-verlag.de


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