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Mittwoch, 30. März 2011

[Rezension] Neva von Sara Grant

Neva ist 16 Jahre alt und lebt in Heimatland, einem Ort der von der Umwelt durch eine Protektosphäre hermetisch abgekapselt ist. Angeblich zum Schutz der Menschen errichtet, werden unter der Protektosphäre aber langsam die Ressourcen kritisch, die Technik streikt immer mehr und letztlich kann durch den Mangel an Rohstoffen nichts mehr instand gehalten und repariert werden. Die Bevölkerungsdichte nimmt konstant ab, ganze Landstricke liegen brach und die überlebenden Frauen in den Dörfern werden möglichst schnell verheiratet, sodass man erwartet, dass eine Frau mit jungen 16 Jahren schon Kinder gebären kann.

Neva, Tochter eines Ministers von Heimaltland, ist dazu angehalten, sich brav an die in Stein gemeißelten Regeln zu halten. Es dürfen keine Fragen gestellt oder gar diskutiert werden. Es soll und muss zum Wohle der Gesellschaft ein Leben vollen Anpassungen stattfinden. Doch Neva rebelliert.

Sie kann nicht glauben, dass es außerhalb der Protektosphäre kein anderes Leben mehr gibt, und ist entschlossen, das dunkle Geheimniss, um die vielen verschwundenen Personen zu lösen.

Zusammen mit ihren vertrauneswürdigsten Freunden veranstalten Neva und ihre beste Freundin Sanna eine „Dunkelparty“. Auf dieser Party wird der Grundstein zu einer Rebellion gelegt und Neva, Sanne und die gemeinsamen Freunde begeben sich in große Gefahr und Neva verliebt sich in einen Jungen, der für sie tabu ist.


Kritik


Mit Neva hat Sara Grant einen Jugendroman geschrieben, der zutiefst verstörend ist. Die Autorin zeigt eine Welt in der Indiviualität nicht geschätzt wird, sondern bestraft gehört.

Die Thematik wird sehr authentisch und in einem passend düsteren Ton erzählt. Das Leben, „eingesperrt“ unter einer Kuppel, der anscheinend niemand entfliehen kann und die daraus resultierenden Handicaps werden anschaulich und beängstigend realistisch beschrieben. Dem flüssigen und sehr lebendigen Schreibstil der Autorin kann dabei auch der jugendliche Leser leicht folgen.

Schnell wird der Leser in das Geschehen involviert, lange hält sich die Autorin nicht mit Erklärungen auf, sondern lässt das Geschehen für sich selber sprechen. Etwas mehr Tiefe an manchen Stellen hätte sicherlich gutgetan, trotzdem bleiben kaum Fragen offen, Heimatland und seine Probleme werden anschaulich erklärt und schnell entsteht eine authentische Vorstellung dieser Kultur.

Besonders die Kritik der Autorin an einem Regime, dass keine Individualität zulässt und Andersartigkeit auszumerzen versucht, wird sehr deutlich gemacht und regt mit einem Fingerzeig zum Nachdenken an.

Der Spannungsbogen, der gleich ab der ersten Seite stetig steigt, macht es schwer das Buch auch nur kurz aus der Hand zu legen, viel zu sehr fiebert man beim Lesen mit Neva mit. Diesen Charakter mit allen Facetten zu verstehen fällt dabei sehr leicht, da die Geschichte aus Nevas Perspektive erzählt wird. Der Leser ist so immer auf Nevas Stand der Dinge.

Nevas Charakter und Motivation werden sehr glaubwürdig und lebendig beschrieben. Ihr Versuch hinter das Geheimnis der verschwundenen Menschen, unter anderem ihrer geliebten Großmutter zu kommen, macht ihre Revolte nachvollziehbar. Sie stellt die verbotenen Fragen und bringt sich und auch ihre Familie dadurch in große Gefahr. Mutig stellt Neva sich den Ereignissen und gewinnt so die Herzen der Leserschaft im Sturm.

Nevas beste Freundin Sanne ist wie Neva auch rebellisch und fordert das Ende Heimatlands. Sanne unterstützt Neva bei ihrer Rebellion und erlebt dabei Schreckliches. Zu kippen droht die Freundschaft dann, als Neva sich in Sannes Freund Braydon verliebt.

Braydon ist ein Charakter, der bis über das Ende hinaus sehr geheimnisvoll bleibt, und dessen Motivation leider nicht vollständig aufgeklärt wird. Mysteriös bis zum Schluss, lässt diese Figur eine Menge offener Fragen zurück.

Auch die weiteren Protagonisten sind sehr ansprechend gezeichnet, bleiben aber zum Verdruss des Lesers sehr blass und eine Menge Fragen sind zum Schluss noch offen. Besonders die Eltern Nevas haben ansprechende Ansätze. Der regelkonforme Altminister Heimatlands, Nevas Vater, ist durchweg an der Einhaltung der Regeln bedacht. Dennoch schafft dieser den Leser zu überraschen.

Der komplette Roman schreit gerade zu nach einer Fortsetzung, die es laut Angaben der Autorin aber wohl, zumindest vorerst nicht geben wird.

Die Gestaltung des Covers in verschiedenen Grauabstufungen passt hervorragend zu dem düsteren Plot. Lediglich der Titel und der Name der Autorin sind heller hervorgehoben.


Fazit

Mit Sara Grants „Neva“ erobert eine neue Dystopie den Buchmarkt im Sturm. Klar und verständlich geschrieben, mit dem richtigen Maß an atemberaubender Spannung hat die Autorin eine beängstigende Welt geschaffen, in der wohl keiner leben wollte.

Hier ist ein aufsehenerregendes Jugendbuch geschrieben worden, dessen tiefere Bedeutung zum Nachdenken anregt. Ich kann diesen Roman wirklich weiter empfehlen.

„Neva“ schreit gerade zu nach einer Fortsetzung, viele Fragen sind trotz der grandiosen Art zu erzählen offen geblieben und wollen dringend geklärt werden.


Autorin


Sara Grant wurde 1968 im amerikanischen Bundesstaat Indiana geboren, wo sie Journalistik und Psychologie studierte, bevor sie ihrem Mann nach London folgte; dort machte sie an der Universität den „Master in Creative and Life Writing“ und arbeitet seitdem bei einer Literaturagentur. Der Umzug nach England inspirierte sie zu ihrem ersten Roman: „Sowohl die USA als auch Großbritannien hadern mit Immigrationsthemen. Ich glaube daran, dass die Vielfalt uns stärker macht. Also stellte ich mir die Frage, was geschieht, wenn man Landesgrenzen schließt und sich vor fremden Menschen und fremden Gedanken abschottet. Mein Roman ist die Antwort darauf.“


Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: PAN (14. März 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426283484
ISBN-13: 978-3426283486
Originaltitel: Dark Parties

Leseprobe



©Nadine Warnke

 

1 Kommentar:

Sabine hat gesagt…

Sehr schöne, informative Rezension. "Neva" wartet schon ganz oben auf meinem Wunschzettel, aber bis Ostern wird gefastet. *g*

Liebe Grüße,
Sabine

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