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Dienstag, 17. Juli 2012

[Rezension] Dark Canopy von Jennifer Benkau




Stell dir vor, du musst täglich ums Überleben kämpfen.
Stell dir vor, dein Gegner ist unbesiegbar.
Stell dir vor, du kommst ihm zu nah.
Stell dir vor, du verliebst dich in ihn.

Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr ... (Klappentext)


Kritik

Bei "Dark Canopy" handelt es sich um den ersten Teil eines geplanten Zweiteilers aus der Feder von Jennifer Benkau.

Die Autorin entwickelt einen düsteren und brutalen Plot für ihre Dystopie. Die Welt, in der die Protagonisten leben, ist finster. Nicht nur, dass die Sonne bis auf zwei Stunden am Tag durch "Dark Canopy" hinter einem undurchdringlichen schwarzen Schleier verborgen wird, auch die Lebensumstände ist alles andere als freundlich. Tiefer Hass und Verachtung herrschen unter den verfeindeten Gruppen der Menschen und der Percents. Während die Menschen als Sklaven in der Stadt oder als Rebellen in kompletter Armut leben, herrschen die Percents. Dennoch sind die Menschen keinesfalls unschuldig an der Situation. Letzten Endes waren sie es, die diese emotionslosen Monster geschaffen haben, um diese für einen Krieg zu benutzen.

Besonders im ersten Drittel bekommt der Leser die volle Bandbreite an menschenverachtenden und brutalen Taten zu lesen. Zarte Gemüter werden hier einige Male heftig zu schlucken haben. Gefangenschaft, Missbrauch, Folter und andere erbarmungslose Vergehen an den Menschen beherrschen diesen Romanabschnitt. Im Mittelteil des Romans flaut die Spannung dann etwas ab, langweilig wird er allerdings nicht. Zu sehr ist der Leser von der finsteren Zukunftsversion gefesselt. Obwohl die Autorin eine Welt geschaffen hat, in der die Rassen eigentlich nur Verachtung und Hass füreinander hegen, gelingt es Jennifer Benkau, eine glaubwürdige Liebesgeschichte in ihren Plot einzuweben. Logisch ist, dass dies Zeit braucht. Besonders die weibliche Hauptdarstellerin Joy, bei den Rebellen aufgewachsen, kennt nichts anderes als Hass und Angst vor den Percents. Doch Joy muss feststellen, dass nicht alle Percents über einen Kamm zu scheren sind. Sicher gibt es diese grausamen und kalten Geschöpfe, aber einige wenige sind anders, menschlich.

Mit ihrem kreativen und atmosphärisch dichten Schreibstil lässt die Autorin eine Welt vor den Augen ihrer Leser entstehen, die durchaus glaubwürdig ist. Leicht verständlich und erstaunlich anschaulich entsteht eine spannende Zukunftsversion, die zwar brutal ist, aber auch durch ehrliche Emotionen punktet. Jennifer Benkau hat ihre Geschichte geschickt entworfen und baut überraschende Wendungen ein. Geschickt wirft die Autorin immer wieder Nebenhandlungen ein, wobei sie aber nie den roten Faden verliert. Nicht alles ist zum Ende hin erklärt und in sich abgeschossen, und ein wirklich intelligent gesetzter Cliffhanger macht das Warten auf den zweiten und letzten Teil wirklich zur Qual.

Erzählt in der Ich-Form aus der Perspektive Joys, erleben die Leser die vielfältigen Emotionen der Protagonisten hautnah mit. Verzweiflung, Freundschaft, Hass, Liebe, Angst sind nur einige der Gefühle, mit denen Joy umgehen muss.

Die Charakterzeichnung der Darsteller ist psychologisch vielfältig und gibt den Figuren Raum, sich zu entwickeln und zu lernen. In einer Welt, in der vorwiegend Verachtung und Hass regieren, ist es unmöglich, Figuren zu schaffen, die frei von Ecken und Kanten sind und sich als strahlender Held oder Heldin präsentieren. Menschen sind genauso verachtenswürdig wie die Percents, und im umgekehrten Fall gibt es Percents, die keine emotionslosen Monster sind, sondern dazu in der Lage, sogar freundschaftliche Bindungen zu Menschen einzugehen.

Die Gestaltung der Covers ist passend zum düsteren Plot gehalten. Schon beim ersten Blick darauf bekommt der Leser eine gewisse Ahnung war ihn erwartet, nämlich keine zarte und leichte Romanze, sondern etwas Finsteres, in dem aber dennoch ein funke Hoffnung existiert.


Autorin

Jennifer Benkau wurde 1980 in Solingen geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vielen Büchern lebt. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr. "Dark Canopy" ist ihr erster Roman für junge Erwachsene.


Fazit

"Dark Canopy" ist eine brutale und schonungslose Dystopie, die dieses Genre mit allen Konsequenzen repräsentiert. Jennifer Benkau hat hier ein erschreckendes Szenario konzipiert, das nicht mehr loslässt. Glaubwürdige Figuren, ehrliche Emotionen, der düstere Schreibstil und unerwartete Wendungen runden die Geschichte hervorragend ab.

Für mich ist "Dark Canopy" eine der besten Dystopien, die es momentan auf dem Buchmarkt gibt.

Hardcover mit Relieflack, Schutzumschlag und Leseband, 524 Seiten
ISBN-13: 978-3839001448
http://www.script5.de
http://www.jbenkau.bplaced.de

Sonntag, 13. Mai 2012

[Rezension] Sternenfeuer 1: Gefährliche Lügen von Amy Kathleen Ryan




Die 15-jährige Waverly gehört zu den ersten Kindern, die an Bord des Sternenschiffes Empyrean geboren wurden. Jedermann erwartet, dass sie bald ihren Freund Kieran heiraten wird, um eine Familie zu gründen und das Überleben der Menschheit auf der langen Reise zu einem fernen Planeten zu sichern. Waverly liebt Kieran sehr – aber ist sie trotzdem schon bereit, so früh diesen entscheidenden Schritt zu gehen? Das friedliche Leben endet dramatisch, als wie aus dem Nichts das lange verschollen geglaubte Schwesterschiff angreift, die Erwachsenen tötet und alle Mädchen entführt. Während Kieran auf der schwer beschädigten Emphyrean um sein Überleben kämpft, muss Waverly viele Lichtjahre entfernt alles daransetzen, zu ihm zurückkehren zu können ... (Verlagsinfo)


Kritik

Mit dem Auftakt ihrer "Sky Chasers"-Trilogie "Sternenfeuer - Gefährliche Lügen" ist der Autorin Amy Kathleen Ryan ein überzeugender Genremix aus Dystopie und Science-Fiction gelungen.

In ein spannendes Science-Fiction-Setting bettet die Autorin eine gut verpackte Gesellschafts- und Religionskritik, die zum Nachdenken anregt. Menschenverachtende Taten, entschuldigt durch politische und religiöse Ansichten, lassen die Leser so manches Mal schlucken. Während auf der Empyrean Verbrechen und Manipulation aus purer Arroganz begangen werden, werden diese auf dem Schwesternschiff New Horizon mit dem angeblichen Willen Gottes gerechtfertigt. Obwohl der Klappentext unter anderem auf eine gefühlvolle Romanze schließen lässt, tritt diese stark in den Hintergrund. Getragen wird "Sternenfeuer - Gefährliche Lügen" von den gesellschaftskritischen und dramatischen Entwicklungen, die den Verlauf des Plots ausmachen. Auch der Kampf um das Überleben und das Erreichen der so unterschiedlichen Ziele bekommen Raum in dem futuristischen Plot.

Der Schreibstil der Autorin ist eher schlicht und recht schnörkellos. So liest sich die Geschichte einfach und die Leser bekommen kaum Stolpersteine in den Weg gelegt. Allerdings werden so teilweise auch die Beschreibungen der Raumschiffe recht einfallslos und wenig detailliert dargestellt. Besonders Fans der Science-Fiction dürften hier enttäuscht sein. Leser, die sich allerdings das erste Mal auf dieses Gebiet trauen, werden einen spielend leichten Einstieg finden.

Abwechselnd aus der Perspektive von den beiden Protagonisten Waverly und Kieran werden die Abenteuer der interstellaren Reise erzählt. Anfangs wechseln sich die Kapitel noch ab, aber im Verlauf der Geschichte werden diese Abstände immer größer, und nicht immer gelingt es so, sich direkt wieder auf die jeweiligen Darsteller einzustellen. Dennoch ist dieser Perspektivenwechsel nötig, schließlich spielen die Ereignisse sich auf verschiedenen Schiffen ab, und nur so ist es möglich, Einblicke in die Vorkommnisse des jeweils anderen Schiffes zu bekommen.

Nach einem kurzen Einstieg in die Geschichte zieht die Autorin den Spannungsbogen rasant an und hält dieses Tempo durchgehend. Auch die Härte nimmt zu. Folter, psychische und physische Gewalt, Manipulation und Rücksichtslosigkeit sind Themen, die ausführlich behandelt werden. Die Autorin versteht es, den Lesern eine Gänsehaut über den Rücken laufen zu lassen. Da lässt den Leser die empfohlene Altersempfehlung schlucken - ab zwölf Jahren ist hier definitiv zu früh angesetzt.

Ihre jugendlichen Protagonisten hat Amy Kathleen Ryan sehr gewissenhaft konzipiert. Nicht so ihre erwachsenen Figuren, denn diese bleiben nur durch extreme Grausamkeit in Erinnerung oder zeigen sich trivial und entsetzlich naiv. Mehr als Statisten sind sie meist nicht. Waverly und Kieran sind starke Charaktere, die Schwächen kaum zeigen und rasch an den ihnen zugedachten Aufgaben wachsen.

Dem Pan-Verlag ist einmal wieder ein Cover gelungen, welches direkt ins Auge fällt, schlicht und doch - oder gerade deswegen - eindrucksvoll.



Die Autorin

Amy Kathleen Ryan wuchs in Jackson im amerikanischen Bundesstaat Wyoming auf. Sie studierte Anthropologie und Englische Literatur in Wyoming und Vermont, bevor sie sich ganz dem Schreiben zuwandte.


Fazit

Der Auftakt der Sternenfeuer-Trilogie "Gefährliche Lügen" besticht durch zeitgemäße sozial- und gesellschaftskritische Themen, welche in ein interessantes Science-Fiction Szenario verpackt wurden.

Ich kann "Sternenfeuer" auf jeden Fall an Leser weiterempfehlen, die sich gerne am Genre Science-Fiction versuchen möchten oder an gesellschafts- und religionskritischen Themen interessiert sind.

Interessierten Lesern sei aber in jedem Fall empfohlen, die Leseprobe vorab zu lesen.

Sky Chasers/Sternenfeuer
Band 1: "Gefährliche Lügen"
Band 2: "Vertraue niemandem" (Dezember 2012)
Band 3: geplant


Originaltitel: Sky Chasers 1: Glow
Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
Empfohlenes Lesealter: 12 - 16 Jahre
ISBN-13: 978-3426283615
http://www.pan-verlag.de/trailer/trailer_sternenfeuer.php

Donnerstag, 3. Mai 2012

[Rezension] Kyria und Reb 1: Bis zum Ende der Welt von Andrea Schacht



Im Jahr 2125 hat sich Europa in eine Welt der kompletten Überwachung verwandelt. In diesem perfekt gesteuerten System – New Europe - wächst Kyria behütet auf. Bis sie an ihrem 17. Geburtstag erfährt, dass sie an einer tödlichen Krankheit leidet. Jetzt zählt nur noch ein Gedanke: Flucht. In der wenigen Zeit, die ihr bleibt, will sie endlich frei sein! An einem Ort, der dem Zugriff des Systems entzogen ist. Mit ihr auf den Weg macht sich Reb, der vor nichts und niemandem Angst hat. Doch schon bald sind den beiden die Verfolger auf der Spur. Und das ist nicht die einzige Gefahr: Alle, die sich der Macht von New Europe entziehen, drohen furchtbaren Seuchen zum Opfer zu fallen ... (Verlagsinfo)


Kritik

Mit "Bis ans Ende der Welt" eröffnet die bekannte Autorin Andrea Schacht ihre spannende Dystopie um Kyria und Reb. Hier wagt sich die für ihre historischen Romane bekannte Autorin an ein ganz anderes Genre. Andrea Schacht konzipiert eine Zukunft, in der Freiheit völlig ausgeschlossen ist und die totale Kontrolle herrscht.

Den Lesern wird eine völlig andere Welt gezeigt, Frauen haben die ausnahmslose Macht und Männer werden medikamentös unter Kontrolle gehalten. Typisch männliche Eigenschaften sind nicht mehr gewünscht und werden daher ausgeschaltet. Komplex und gut durchdacht, wird den Lesern hier eine fesselnde Geschichte erzählt, die durchaus in Erinnerung bleibt.

In dieser Welt wächst die Protagonistin Kyria in dem Glauben, sterbenskrank zu sein, auf. Als Tochter einer angesehenen Politikerin stehen Kyria alle Türen offen. Doch als sie erfährt, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben hat, kann sie nur noch an Flucht denken. Sie will ihre Freundin Hazrel, die in einem der wenigen freien Reservate nahe der Küste lebt, besuchen.
Aufgeteilt in zwei Teile, den ersten Teil "Die Flucht der Rebellen" und den zweiten Teil "Der lange Weg", werden die Abenteuer der Protagonisten erzählt. Die Geschichte beginnt in New Europe, genannt NuYu, und der Leser wird in die zukünftige Welt eingeführt. Die herrschende Politik und die Lebensumstände in NuYu werden sehr gut dargestellt und den Lesern gelingt es schnell, in diese hineinzufinden. NuYu wirkt dabei sehr futuristisch. An NuYu grenzen die Reservate, in denen die Menschen leben, die sich der totalen Kontrolle entziehen wollen und so rückständiger leben. Die Unterschiede werden nicht nur bei der medizinischen Versorgung und der rückständigen Technik deutlich, auch die Rollenverteilung ist hier eine völlig andere.

Dem Erzählstil der Autorin kann nach kurzer Eingewöhnung spielend gefolgt werden. Andrea Schacht entwickelt für ihre Dystopie einen passenden Sprachstil, der zwar bei den Dialogen so manches Mal recht abgehackt wirkt, dadurch aber sehr gut zu ihren Darstellern passt. Ungewöhnlich und dadurch auffällig sind die Namensgebung und die Benennung der verschiedenen Orte. Dieses trägt zur Glaubwürdigkeit bei, schließlich haben sich in NuYu verschiedene Länder zusammengetan und so eine Sprache entwickelt, die aus Deutsch, Englisch, Italienisch und anderen Sprachen besteht.

Erfrischend ist der eingewobene Humor, der nicht nur in den Streitereien der Protagonisten deutlich wird. Auch verschiedene Redewendungen und Decknamen lassen die Leser so manches Mal schmunzeln, wenn nicht sogar laut lachen.
Erzählt wird der Roman aus der Perspektive von Kyria. Aus ihrer Sicht erlebt der Leser die Geschichte. Vieles, wie die totale Kontrolle und auch die Verteilung der Rollen der Geschlechter, werden so als selbstverständlich dargestellt. Durch Reb erfährt Kyria und somit auch der Leser dann viel von den Lebensumständen bei den Rebellen und den Menschen aus den Reservaten.

Die Darsteller sind sehr komplex und authentisch konzipiert. Auch wenn die Protagonisten Kyria und Reb zu Beginn nicht gerade vor Sympathie sprühen, nimmt der Leser doch Anteil an deren Leben. Häppchenweise werden die verschiedenen Hintergründe der Personen erklärt, geben aber dennoch bis zum Schluss so einige Rätsel auf. Nicht alle werden letztendlich geklärt, was noch viel Potenzial für Folgebände gibt.

Kyria, die sehr behütet aufwuchs, zeigt schnell dass sie ein sehr aufgeschlossener, mitfühlender und mutiger Charakter ist. Anfangs noch sehr naiv, wächst Kyria schnell über sich hinaus und findet sich in die fremden Umstände ein. Schlagfertig und keinesfalls auf den Mund gefallen, gewinnt Kyria so die Sympathie der Leser. Reb ist ein sehr verschlossener Darsteller, bei dem schnell klar wird, dass er bereits so einiges hat einstecken müssen. Ruhig, verschlossen aber dennoch auch hilfsbereit und so manches Mal auch sehr spitzbübisch wird Reb gezeigt.

Die weiteren Figuren werden zwar ausreichend vorgestellt, dennoch fehlt es oft an Tiefe. Da es sich hier allerdings um einen ersten Teil handelt, ist noch vieles möglich.


Autorin

Andrea Schacht hat lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin gearbeitet, bis sie sich entschloss, ihre wahre Leidenschaft, das Schreiben, zu ihrem Beruf zu machen. Vor allem mit ihren historischen Romanen um die Kölner Begine Almut Bossart erlangte sie große Bekanntheit. Ihre Bücher stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten.


Fazit

Mit "Bis zum Ende der Welt" ist der Bestsellerautorin Andrea Schacht ein fesselnder Roman gelungen. Humor, eine zarte Romanze und eine Zukunftsversion, die so manches Mal erschreckend glaubwürdig scheint, machen den ersten Teil um Kyria und Reb aus. Hier hat Andrea Schacht wirklich alles richtig gemacht.

Mich konnte Andrea Schacht voll in den Bann ziehen und ich habe jede Seite ihrer Dystopie genossen. Ein gemeiner Cliffhanger am Ende der Geschichte lässt darauf hoffen, dass die Autorin schnell einen weiteren Band um Kyria und Reb veröffentlicht.

Kyria und Reb
Band 1: "Bis ans Ende der Welt"
weitere Bände in Planung


Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
ISBN-13: 978-3863960162
Vom Verlag empfohlenes Alter: 12 - 15 Jahre
http://egmont-ink.de

Montag, 6. Februar 2012

[Rezension] Die Flucht (Cassia Ky 2) von Ally Condie


Wie durch ein Wunder gelingt Cassia die Flucht in die Äußeren Provinzen. Sie will nach Ky suchen, ihrer großen Liebe. Dort kämpft Ky als Soldat für die Gesellschaft und ist ununterbrochen brutalen Angriffen ausgesetzt. Als Cassia endlich auf eine Spur von Ky stößt, ist er bereits entkommen und auf dem Weg in die wilden Canyons in den Grenzgebieten. Verzweifelt macht sich Cassia auf den lebensgefährlichen Weg. Was wird sie am Ende der ihr bekannten Welt finden? Zwischen steinigen Schluchten und staubigen Pfaden sucht Cassia nicht nur nach Ky – sondern auch nach sich selbst. (Verlagsinfo)


Kritik

Mit "Die Flucht" hat Ally Condie den sehnsüchtig erwarteten zweiten Teil ihrer Trilogie um Cassia und Ky geschrieben. Wie der Titel schon verrät, sind die beiden Darsteller Cassia und Ky auf der Flucht vor einem System, das die komplette Kontrolle über die Menschheit hat.

Der Sprachstil der Autorin ist wie auch im ersten Teil "Die Auswahl" flüssig zu lesen, dabei aber auch sehr detailliert und greifbar. Schnell gelingt es den Lesern, sich wieder in die Geschichte einzufinden und begibt sich dann mit den Darstellern auf "Die Flucht". Auch die Poesie nimmt wieder einen Raum in der Geschichte ein, Gedichte, die auf eine Bewegung gegen das System und den "Steuermann" hinweisen, werden rezitiert. Gerade diese Gedichte machen einen guten Teil der Fragen aus, die sich dem Leser schnell stellen dürften: Um was geht es dabei genau und wer ist der Steuermann? Die Schauplätze, besonders die Canyons, werden greifbar beschrieben. Die Umgebung nimmt so Gestalt vor dem inneren Auge an. In der Handlung liegt der Fokus auf der Flucht, aber auch die Entwicklung der Charaktere und deren Geheimnisse nehmen Raum ein. Erschreckend ist die Brutalität und die menschenverachtende Haltung des Systems. Wer sich nicht an die Vorgaben des Systems hält und wagt eigensinnig zu sein, läuft schnell Gefahr vom Bürger zu "Aberrationen" hinabgestuft zu werden, damit ist das Leben dann keinen Pfifferling mehr wert. Besonders Jugendliche werden so schnell zu Kanonenfutter. In verschiedenen Nebenhandlungen wird die Vergangenheit der Figuren ausgeleuchtet und vieles versteht der Leser so viel besser und kann die Handlungen der Darsteller nachvollziehen. Zum Ende hin klären sich so manche Fragen, allerdings nicht alle und dem letzten und dritten Teil um Cassia und Ky kann so entgegengefiebert werden.

Gleich zu Beginn zieht Ally Condie den Spannungsbogen rasant an und die ersten Kapitel fliegen nur so dahin. Erst stetig steigernd nimmt diese im mittleren Teil dann etwas ab und ruhigere Sequenzen behalten kurz die Oberhand. Trotz dieser ruhigen Szenen wird es allerdings nicht langweilig, zu viel gibt es zu entdecken, sei es die grandios gezeichnete Landschaft oder die Darsteller mit ihren Belangen, immer wird genug Neugier auf den weiteren Verlauf geschürt. Zum Ende hin nimmt der Roman dann noch mal an Fahrt auf.

Erzählt wird wechselnd aus der Perspektive von Cassia und Ky. Abwechselnd erzählen die Protagonisten dem Leser aus der Ich-Perspektive die Erlebnisse und der Leser erhält Einblick in das, was die beiden vorantreibt. Dies müssen nicht immer gleiche Ziele sein.

Die Zeichnung der unterschiedlichen Darsteller ist Ally Condie ansprechend gelungen. Nicht nur die beiden Hautdarsteller sind greifbar und authentisch dargestellt, auch bei den weiteren Figuren zeigt sich das die Autorin Wert auf glaubwürdige und dreidimensionale Figuren Wert legt.

Cassia wächst über sich hinaus, war sie im ersten Band besonders am Anfang dem System treu ergeben, ändert sich dieses schnell. Sie hat das System durchschaut und wird zu einer ernst zu nehmenden Gegnerin. Durch die Gedichte, die sie von ihrem Großvater erhielt, wird sie auf die "Erhebung" aufmerksam. Mit starkem Willen gegen die Ungerechtigkeiten zu kämpfen, ist sie zu vielem bereit.

Ky nimmt immer mehr Form an. War er im ersten Teil noch so manches Mal recht undurchsichtig, wird nun klar, welche Hintergründe er hat. Dadurch, dass die Geschichte nun auch aus seiner Perspektive erzählt wird, kommt nach und nach ans Licht, warum er zu einer "Aberration" klassifiziert wurde. Seine Ängste diesbezüglich sind nachvollziehbar.

Neu kommen Eli und Indie dazu. Diese beiden Charaktere bereichern die Geschichte. Indie treibt etwas ganz Eigenes an, sie zeigt sich als Kämpferin, die auch bereit ist, ihre Freunde im Stich zu lassen, um ihr Ziel zu erreichen. Eli dagegen ist sehr jung und daher auch etwas ängstlich, was ihn zu einer "Aberration" macht, bleibt erstmal unklar. Mit seiner zurückhaltenden Art wächst er nicht nur Ky schnell ans Herz. Auch die Leser dürften sich seiner Art kaum entziehen dürfen.

Die Gestaltung des Covers passt zu seinem Vorgänger. War bei "Die Auswahl" noch ein Mädchen in einer schützenden Glaskugel zu sehen, bricht eben dieses Mädchen nun aus, die Glaskugel zerbricht.


Autorin

Ally Condie stammt aus dem südlichen Utah, USA, einer wunderschönen Gegend, die der Landschaft in "Die Flucht" als Vorlage diente. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Salt Lake City. Nach ihrem Studium unterrichtete sie mehrere Jahre lang Englische Literatur in New York, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. Ihre Romane um "Cassia & Ky" werden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und sind große internationale Bestseller.


Fazit

"Die Flucht", der zweite Band um Cassia und Ky, überzeugt besonders durch die leisen, nachdenklichen Töne, die diesen Roman ausmachen. Plastische Beschreibungen vermitteln ein lebendiges Bild und die Protagonisten werden noch greifbarer. Der Plot regt weiterhin zum Nachdenken an, schnell stellt sich der Leser die Frage, wie weit er für ein selbstbestimmtes Leben gehen würde, wie viele Grenzen man selber aushalten würde.

"Die Flucht" zeigt das einfühlsame, erzählerische Talent der Autorin. Leider endet der zweite Band um Cassia und Ky wieder viel zu schnell und der Leser dürfte gespannt auf den abschließenden Teil dieser ansprechenden Trilogie warten.


Cassia und Ky:
Band 1: "Die Auswahl"
Band 2: "Die Flucht"
Band 3: "Juntos" (noch ohne dt. Titel)


Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3841421449
Vom Verlag empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
Originaltitel: Crossed
www.fischerverlage.de

Freitag, 27. Januar 2012

[Rezension] Dark Love von Lia Habel



Das Jahr 2195: Im Schatten einer neuen Eiszeit ist die Gesellschaft zerfallen, und die Menschen kämpfen gegen lebende Tote. Als die 17-jährige Nora entführt wird, verliebt sie sich ausgerechnet in deren Anführer. Sie erfährt, dass sie das Schicksal aller wenden kann. Doch sie muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht ...

Flackernde Gaslampen, dampfbetriebene Kutschen und Digitagebücher – das ist die Welt von Nora Dearly im Jahr 2195. Die 17-Jährige lebt im Internat, bis sie eines Tages entführt wird: Denn ein Virus greift um sich, das Menschen in lebende Tote verwandelt – und Nora trägt als Einzige die Antikörper in ihrem Blut. Bald muss sie feststellen, dass es auch wandelnde Untote gibt, die sich ihre Menschlichkeit dank eines Antiserums erhalten können. Und Bram, ihr Entführer, ist einer von ihnen. Nora verliebt sich in den jungen Mann, doch die Endlichkeit seiner Existenz bedroht ihre Liebe. Nur Noras Vater, ein hochrangiger Wissenschaftler, könnte ein Gegenmittel entwickeln, doch er ist selbst infiziert und droht zu sterben. Ist Noras Welt endgültig dem Untergang geweiht? (Verlagsinfo)


Kritik

Mit "Dark Love" hat die Autorin Lia Habel einen aufsehenerregenden dystopischen Roman verfasst, der außerdem Elemente der Genres Steampunk und Horror beinhaltet. Diese Mischung ist Lia Habel unglaublich gut gelungen.

"Dark Love" übt einen ganz besonderen Reiz aus. Nicht nur die Elemente dystopischer Romane tragen dazu bei, ungewöhnlich ist, dass Zombies unter anderem die Hauptfiguren sind. Der Erzählstil der Autorin ist leicht verständlich und flüssig zu lesen. Detailliert wird das Bild der Welt im Jahre 2195 gezeichnet. Lia Habel schickt uns Leser in das Neu-Viktorianische Zeitalter und schnell gelingt es die örtlichen Gegebenheiten, die sittsame Kleidung und auch technischen Errungenschaften bildlich vor Augen zu haben. Auch die Gesellschaftsformen und die Lebensumstände sind gut ausgearbeitet. Hier trifft die viktorianische Etikette auf technische Neuerungen. Die Gesellschaft ist in Gruppen wie Adel und "gemeine" Bürger unterteilt sowie die Randgruppe der Punks, die die neuviktorianische Lebensweise ablehnt. Stimmige und vielfältige Beschreibungen bieten einen abwechslungsreichen Blick in eine postapokalyptische Zukunft. Die Grundstimmung könnte man als düster aber dennoch hoffnungsvoll bezeichnen. Nicht nur die Gefühle, die die Protagonisten füreinander entwickeln, tragen dazu bei. Obwohl "Dark Love" in den Fantasybereich gehört, schafft es die Autorin, einen glaubwürdigen Plot zu entwickeln und zu halten.

Ziemlich schnell entwickelt sich ein Spannungsbogen, der seine Leser nicht mehr loslässt. Die Autorin versteht es meisterhaft, immer mehr Neugier zu schüren und die Ereignisse, die die verschiedenen Figuren erleben, tragen dazu bei, dass die Leser das Buch kaum aus der Hand legen können. Einen zusätzlichen Reiz macht hier auch die Art der Perspektive aus. Verschiedene Protagonisten erzählen aus der eigenen Perspektive und klug gesetzte Cliffhanger an den Kapitelenden steigern die Spannung enorm.

Aus den Perspektiven Noras und Brams erfährt der Leser viel über die Zombies und wie diese leben und sogar fühlen. Während Pamela davon erzählt, was in den elysischen Gefilden nach der Entführung von Nora passiert. Auch Noras tot geglaubter Vater Victor und "Wolfe", der Hauptmann der Zombies, kommen zu Wort. So erfährt der Leser deutlich, wie es in den verschiedenen Charakteren aussieht und auch die Pläne, die diese haben werden, deutlich und nachvollziehbar. Zusammen gesehen ergänzen sich die Perspektivenwechsel gerade zu perfekt und ein rundes Bild entsteht. Die verschiedenen Handlungen ergänzen sich und an Schluss bleiben keine Fragen offen. Für eine geplante Trilogie ungewöhnlich ist hierbei, dass "Dark Love" durchaus als Einzelband bestehen kann.

Die unterschiedlichen Hauptdarsteller sind hervorragend ausgearbeitet. Dreidimensional und mit viel Tiefe begegnen uns Lesern hier lebendige Figuren, die meist sympathisch und glaubwürdig sind.

Nora Dearly begegnet uns als aufgeschlossen, tough, stark und mutig, durchaus aber auch verletzlich. Als Höhergeborene untypisch ist die Wahl ihrer besten Freundin, die zu einer unteren Schicht gehört. Dies macht sie liebenswert und zeigt, dass Nora trotz ihrer Erziehung, nicht zu Allüren neigt. Untypisch sind auch ihre Interessen, statt sich mit typischem Mädchenkram abzugeben, interessiert Nora sich mehr für die Kriegskunst. Ihre Charaktereigenschaften helfen ihr, als sich ihre komplette Welt auf den Kopf stellt.

Captain Abraham Griswold, genannt Bram, ist der wohl feinfühligste und liebenswerteste Zombie, den es je gegeben hat. Trotz seines Schicksals als Untoter "leben" zu müssenn bleibt er sehr menschlich. Durch regelmäßige "Wartung" kann er sich Körper und Intelligenz erhalten und wird nicht zu einem menschenfressenden Ungeheuer. Brams Gefühlswelt wird eindringlich beschrieben und macht ihn aus.

Nicht nur die Hauptdarsteller sind der Autorin geglückt, auch die Nebenfiguren nehmen Raum ein und bleiben schnell unvergessen. Sogar die Gegenspieler sind nachvollziehbar konzipiert.

"Dark Love" kommt als wunderschönes Paperback daher. Auf tiefschwarzen Grund sind silberne, durch Spotlack hervorgehobene Ornamente zu sehen. Titel und der Autorenname passen sich an. An den jeweiligen Kapitelanfängen wird als Überschrift der Name der Person gesetzt, die die Perspektive übernimmt.


Autorin

Lia Habel wurde in einer kleinen Stadt im Westen des Bundesstaates New York geboren. Sie trinkt viel zu viel Kaffee und besitzt drei Katzen, denen sie in ihrem Debüt ein Denkmal setzt. Die Idee zu "Dark Love" hatte Lia während einer Busfahrt nach New York, als ihr der Lesestoff ausging und sie sich fragte, warum die Monster in Büchern immer gut aussehen und warum sie noch nie eine Liebesgeschichte mit Untoten gelesen hatte.

Weiteres zur Autorin: www.liahabel.com


Fazit


"Dark Love" von Lia Habel überzeugt durch den dystopischen Plot der, durch die Verbindung mit Steampunk-Elementen zu etwas ganz Besonderem wird. Dem Leser wird reizvolle, spannende und emotionale Unterhaltung geboten, die ihn nicht loslässt. Ungewöhnlich, aber sehr reizvoll, ist die Wahl der Gattung "Zombies", verbunden mit einer leisen und stimmigen Romanze.

Mich hat "Dark Love" schlicht begeistert und ich kann es kaum erwarten, dass die Folgebände erscheinen.

Die Zombie-Trilogie:
Band 1: "Dark Love"
Band 2: "Dearly, Beloved" (25.09.2012, noch ohne dt. Titel)
Band 3: - geplant -


Taschenbuch: 512 Seiten
ISBN-13: 978-3492702195
Originaltitel: Dearly, Departed
www.piper.de

Mittwoch, 4. Januar 2012

[Rezension] Dustlands "Die Entführung" von Moira Young

Durch die Wüste und über die Berge: In einer Welt nach unserer Zeit kämpft eine junge Frau um die Befreiung ihres Zwillingsbruders - und für die Freiheit eines ganzen Landes.

Die 18-jährige Saba lebt sehr abgeschieden mit ihrem Vater, ihrem Zwillingsbruder Lugh und ihrer kleinen Schwester Emmi in einer extrem kargen Einöde am Silverlake - bis eines Tages vier bewaffnete Reiter auftauchen, um den Bruder zu entführen. Saba schwört, Lugh zu finden und zu befreien. Dazu muss sie ihr Zuhause verlassen, eine Wüste durchqueren und viele Gefahren überstehen. Sie wird gefangen genommen und verwundet. Auf ihrem abenteuerlichen Weg lernt sie die Welt jenseits des Silverlake kennen: Ein wüstes Land, in dem es keine Zivilisation mehr gibt, keine Bücher mehr, keine normalen Verkehrsmittel. Es wird von einem verrückten König und seinen Soldaten beherrscht, die die Bevölkerung mit einer Droge in Schach halten. In Hopetown muss Saba in der Arena kämpfen, aber sie trifft dort auch auf einen Mann, der sie liebt, und eine Truppe von Rebellinnen, die sie unterstützen. Doch kann sie ihnen wirklich trauen? (Verlagsinfo)


Kritik

Dystopien erobern den Buchmarkt im Sturm, so auch Dustlands von Moira Young. Im ersten Band "Die Entführung" lernen wir Leser eine neue Welt und ihre Bewohner kennen.

Rau ist der Erzählstil der Autorin zu nennen. Unverblümt und direkt werden wir Leser direkt von Saba angesprochen, die uns ihre Geschichte aus der eigenen Perspektive erzählt. Die Autorin hat ihrer Protagonisten eine Sprache gegeben, die perfekt zu Saba passt und uns Lesern schnell begreiflich macht, wie Saba ist. Auffällig ist das Fehlen der finalen Konsonanten, "ich renne" wird so zu "ich renn", "ich trete" zu "ich tret" usw., dies unterstreicht zwar Sabas Natur vortrefflich aber manches Mal nervt es beim Lesen auch etwas. Als wirklich störend kann dagegen empfunden werden, dass Anführungszeichen bei den Dialogen komplett weggelassen wurden. So kann es vorkommen, dass ein Dialog gelesen wird, aber nicht oder erst spät als solcher erkannt wird. So verwirrt es schnell und immer mal wieder muss beim Lesen noch mal ein Abschnitt zurückgegangen werden, um das Geschriebene richtig zu interpretieren. Während Saba uns von ihrer Geschichte erzählt, lässt sie vor unseren Augen eine Welt entstehen, trotz ihrer rauen Sprache vermag sie es, eine Welt mit ihren Worten zu zeichnen, die die Leser sich bildlich vorstellen können. Diese Welt beeindruckt, grüne Wälder, die oasengleich brachliegendes Land und Wüsten ablösen, eine zweifelhafte Stadt und vieles mehr darf der Leser hier entdecken.

Der postapokalyptische Plot bietet, neben der Suche nach dem entführten Lugh, jede Menge emotionsgeladene Action, Charaktere, die sich glaubwürdig weiterentwickeln und auch so manche Überraschung. Natürlich darf die Liebe auch nicht fehlen und so trifft Saba auf Jack, den sie allerdings anfangs eher als Hindernis in ihrem Vorhaben sieht. Fragen, die sich innerhalb der Handlung auftun werden, zum Ende hin geklärt und so kann "Dustlands", obwohl als Reihe angelegt, gerne auch als einzelner Titel gelesen werden. Leser, die sich allerdings von der ungewöhnlichen Schreibweise und der Geschichte in den Bann ziehen lassen, werden den zweiten Teil um Saba und ihre Familie kaum erwarten können.

Selbstverständlich ist "Dustlands - Die Entführung" spannend, so spannend, dass die Leser das Buch kaum aus der Hand legen können. Schon auf den ersten Seiten wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der sich bis zur letzten Seite fast nur nach oben hin entwickelt. Der schnelle, oftmals abgehackte Sprechstil unterstreich die Spannung und so fliegt der Leser durch die Seiten intensiver, fast spürbarer Emotionen.

Auch die Charakterbildung ist gelungen. Saba, keinesfalls durchgehend sympathisch, besticht durch eine authentische Entwicklung. In ihrem Fokus liegt ihr Zwillingsbruder Lugh, für den Saba alles tun und riskieren würde. Dagegen hegt sie fast nur negative Gefühle ihrer kleinen Schwester Emmi gegenüber. Saba macht Emmi dafür verantwortlich, dass ihre Mutter bei der Geburt starb und behandelt Emmi erst einmal dementsprechend schlecht. Mit nur einem Ziel vor Augen, verpasst Saba so manches Mal fast, dass es außerdem noch anderes gibt, das ebenfalls von Bedeutung ist. Durch das harte Leben, das Saba kennt, ist sie dementsprechend hart und der Meinung, dass nur Lugh wichtig für ihre Existenz ist. Aber Saba entwickelt sich zum Positiven. Auch wenn es lediglich ihr großes Ziel ist, Lugh zu retten, wird doch klar, dass sie ein Gewissen hat und in der Lage ist, ihren Fokus zu erweitern. Mit Ecken und Kanten ist Saba eine sehr glaubwürdige Darstellerin.

Eine besondere Darstellerin ist Emmi, trotzdem sie eine Nebenfigur ist, bleibt Emmi nachhaltig in Erinnerung. Trotz ihres kindlichen Alters von gerade mal neun Jahren beweist sie eine Stärke und ein Durchhaltevermögen, das vergleichbar ist mit dem ihrer Schwester Saba. Trotz des lieblosen Verhaltens ihrer Schwester begibt Emmi sich in Gefahren, um Saba zu beweisen, dass sie ihrer Liebe wert ist.

Sehr schwach und blass ist Lugh gezeichnet, Saba lobt ihn zwar in unendliche und unerreichbare Höhen, aber ist er auch wirklich dieser "Gott", für den Saba ihn hält? Leider wird diese Frage nicht geklärt.

Sonst ist bei den Figuren nichts zu meckern, ob nun Neben- oder Randfigur, alle sind ausreichend beschrieben und hinterlassen zumeist einen positiven Eindruck. Selbst die zwielichtigen Gegenspieler Sabas, wenn auch nur am Rande vorkommend, sind nachvollziehbar.

Die Aufmachung von "Dustlands" ist wirklich passend. Zu sehen ist ein Mädchen, das durch eine Wüste läuft. Diese Stimmung wurde sehr gut umgesetzt. Besonders toll ist: Nimmt der Leser den Schutzumschlag ab, sieht er dasselbe, lediglich die Prägung fehlt.


Autorin

Moira Young, geboren und aufgewachsen in British Columbia im Westen Kanadas, trat als Schauspielerin und Opernsängerin in Kanada und Europa auf. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Bath, England. "Dustlands - Die Entführung" ist ihr erster Roman.


Fazit

Als ich den Klappentext zu Dustlands - "Die Entführung" gelesen habe, dachte ich erst: "Oh nein - eine Hommage auf die Tribute von Panem". Die Erwähnung auf eine Arena, in der Saba kämpfen muss, lies diesen Schluss zu. Ich habe mich geirrt, "Dustlands" ist anders und steht auf eigenen Beinen.

Die Autorin Moira Young hat eine faszinierende, aber auch grausame Welt geschaffen, in der Überleben kein Kinderspiel ist. Überzeugende Charaktere und der postapokalyptische Plot überzeugen auf ganzer Linie.

Hier wird den Lesern alles geboten was ein ansprechendes Lesevergnügen garantiert, atemberaubende Spannung, nervenaufreibende Action, eine glaubwürdig eingesponnene Romanze und ein emotionsgeladenes Abenteuer.



Dustlands:
Band 1: "Die Entführung"
Band 2: "Rebel Heart" (2012)


Gebundene Ausgabe: 449 Seiten
ISBN-13: 978-3841421425
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 15 Jahre
Originaltitel: Blood Red Road
www.fischerverlage.de
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