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Freitag, 29. April 2011

[Rezension] "Grim 02 – Das Erbe des Lichts" von Gesa Schwartz





Ein Jahr nachdem Grim und Mia den bedrohlichen Magier Seraphin besiegten, sind der Gargoyle und die junge Hartidie ein Paar und leben in Paris.

Mia bereitet im Louvre eine "Anderwelt"-Ausstellung vor und geht in dieser Tätigkeit vollkommen auf. Die junge Frau verfolgt ehrgeizig den Plan ihres verstorbenen Bruders, den Menschen die Anderwelt und ihre magischen Möglichkeiten wieder näherzubringen und den "Zauber des Vergessens" unnötig zu machen. Der Prinz der Vampire ist Mia behilflich, immerhin besitzt er viele wertvolle und magische Artefakte, die er Mia zur Verfügung stellt.

Auch Grim, mittlerweile der Chef der OGP, der obersten Gargoyle-Polizei, hat alle Hände voll zu tun: Eine mysteriöse Mordserie sorgt für Angst und Entsetzen in der Pariser Oberwelt. Die aufgefundenen Leichen sind völlig blutleer und ihnen fehlen die Augen. Dafür kann nur ein Anderwesen verantwortlich sein, und Grim und die ihm unterstellten Gargoyles fahnden unter Hochdruck, um den Mörder zu stellen.

Schnell findet Grim heraus, dass es sich bei den brutalen Mördern um die vor Jahrhunderten verbannten Schattenalben handelt. Auf der Eröffnungsfeier von Mias Ausstellung kommt es zu einem Anschlag der Schattenalben, und großes Chaos bricht aus. Grim und Mia gelingt die Flucht, und die beiden finden heraus, dass die erbarmungslosen Schattenalben nur die Vorhut einer uralten und unerbittlichen Macht sind, die die Welt für immer von den Menschen "säubern" will.

So ist es wieder an dem Gargoyle Grim und seiner menschlichen Freundin Mia und den gemeinsamen Freunden, die Welt der Menschen vor dem sicheren Untergang zu bewahren. Werden sie gegen diese uralte und gnadenlose Macht bestehen können?


Kritik

Mit "Grim 2 - Das Erbe des Lichts" hat die deutsche Autorin Gesa Schwartz einmal mehr bewiesen, dass in ihr ein großes Talent und viel Fantasie schlummern. Der zweite Teil um den Gargoyle Grim und seine sterbliche Freundin Mia ist, wie auch schon der erste Teil, großartige Fantasy.

Mit einem flüssigen und leicht zu lesenden Schreibstil fesselt die Autorin den Leser an ihr Werk und kommt dabei ohne jegliche Umgangssprache aus. Gesa Schwartz' Erzählstil kommt in manchen Sätzen sogar schon poetisch daher. Ausdrucksstark und fast schon greifbar, beschreibt die Autorin die jeweilige Umgebung der Handlungen, ohne in zu viele Erklärungen abzudriften.

Magie, Vertrauen, Hoffnung, der Glaube an Unmögliches und enge Familienbande sind wichtige Zutaten in der actiongeladenen Geschichte. Kleinere Nebenhandlungen passen perfekt zum Plot und ergänzen diesen sinnvoll. Neben vielen atemberaubenden Kampfszenen entführt die Autorin uns Leser in eine Welt voller Magie, Sagen und alter Legenden. Nicht nur in Frankreichs märchenhaftem Louvre, auch im sagenumwobenen Irland oder im düsteren Schwarzwald haben die vielfältigen Charaktere ihre kleinen und großen Abenteuer zu bestehen und einige Rätsel zu lösen. Viele bekannte Sagengestalten, wie, um nur einen zu nennen, der sagenhafte Zwergenkönig Laurin, haben ihren eigenen Auftritt. Dabei greift die Autorin nicht nur auf bekannte Sagen zurück, auch webt sie geschickt eine Sage um die Krieger des ersten Lichts in die Geschichte ein. Die Kreativität und der Einfallsreichtum der Autorin scheinen keine Grenzen zu kennen.

Gleich zu Beginn ist der Leser mitten im Geschehen, und der gleich hoch angesetzte Spannungsbogen flacht kaum einmal ab. Atemlos werden die Protagonisten von einer actiongeladenen Szene in die nächste gejagt. Pausen zum Luftholen gönnt die Autorin weder ihren Figuren noch dem Leser. Teilweise wird der Level da etwas sehr hochgehalten und der Wunsch nach ein paar ruhigeren Szenen kommt immer mal wieder an die Oberfläche. Hier hätten ein paar ruhigere Momente wirklich das ganze Werk perfekt abgerundet.

Geschrieben wurde aus der Perspektive eines Beobachters, der sich auf Grim und Mia konzentriert. In den Teilen, in denen die beiden gemeinsam ihre Abenteuer bestehen, konzentriert sich der Erzähler dabei meist auf Grim. Teilweise haben Mia und Grim einige Gefahren auch getrennt voneinander erleben müssen, sodass diese Kapitel im Wechsel zwischen Grim und Mia erzählt werden. Diese erhöhen die Spannung noch mal zusätzlich.

Neben altbekannten Protagonisten, die lebendig konzipiert sind und sich weiterhin entwickeln, kommen auch unbekannte Figuren hinzu, die diese Geschichte sehr abwechslungsreich machen.

Grim ist mittlerweile zum Chef der OGP, der obersten Gargoyle-Polizei, aufgestiegen. Gerade zum Anfang der Geschichte hat Grim mit furchterregenden Albträumen zu kämpfen. Trotz seiner Beziehung zu Mia kann er immer noch nicht an die Menschen glauben; auch wenn er gemeinhin als Menschenfreund gilt, hat er dennoch seine Probleme. Dass er selber einen menschlichen Kern hat, hilft ihm dabei wenig.

Mia trauert immer noch sehr um Jacob, ihren verstorbenen Bruder. In der Hoffnung, ihn wiederzusehen, begeht sie einen großen Fehler. Voll Hoffnung stürzt sie sich wieder in ein gefahrvolles Abenteuer, um die Menschheit zu retten.

Auch der Kobold Remis und der Feenkrieger Theryon spielen, neben vielen anderen Sagengestalten wie zum Beispiel Zwerge, Feen, Vampire, Dämonen und Alben, erneut eine große Rolle. Eine tragende Rolle spielt zudem der letzte Krieger des ersten Lichtes, der für so manchen Zweifel, aber auch so manche Überraschung sorgt.

Zwischen den "Rettern" der Menschheit wachsen die freundschaftlichen Bande, die sehr anziehend dargestellt werden. In Romantik wird auch der zweite Teil um Grim und Mia nicht versinken. Auch wenn die beiden mittlerweile ein Paar sind, kommt dies lediglich in wenigen Umarmungen und den Gedanken zueinander zum Tragen.

Sehr unrealistisch dagegen kommen die Gegenspieler, die Schattenalben, daher. Was auch immer unsere Helden versuchen, die Schattenalben sind nicht kleinzukriegen. Egal, ob sie verbrannt, erstochen oder auf jede sonst erdenkliche gewaltsame Art zu Tode gebracht werden sollen, es macht diesen Wesen nichts aus. Immer wieder regenerieren sich diese teuflischen Wesen.

Die letzte Gegnerin der Menschenfreunde dagegen ist wieder sehr glaubwürdig konzipiert. Nachvollziehbar ist dadurch auch das, was sie antreibt.

Die Covergestaltung ist ein absoluter Eyecatcher; diesmal wird Grim bei Nacht gezeigt. Einsam steht er im Vordergrund und blickt auf die Welt, die ihm zu Füßen liegt. Auch im Innenteil wird der Leser nochmals mit einem wunderschön gestalteten Bild verwöhnt. Aufgewertet wird das Ganze von einem farblich passenden Lesebändchen.


Fazit

Mir "Grim 2 - Das Erbe des Lichts" hat Gesa Schwartz erneut bewiesen, dass sie in die obere Liga der deutschen Fantasy-Autoren gehört. Mit dem zweiten Teil um den Gargoyle Grim hat die Autorin ein imposantes Fantasy-Epos geschaffen, das nicht nur durch atemlose Spannung besticht, auch die leisen Zwischentöne, die von Freundschaft, Mut, Hoffnung und Magie erzählen, wissen die Leser zu überzeugen.

Gesa Schwartz hat eine fantastische Welt entworfen, in der alte Sagen und Legenden wieder Wirklichkeit werden. Ungewöhnliche Charaktere, die ihre Werte hochhalten, gepaart mit atemloser Spannung wissen hier zu unterhalten.


Die Autorin

Gesa Schwartz wurde 1980 in Stade geboren. Sie hat deutsche Philologie, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache studiert. Ihr besonderes Interesse galt seit jeher dem Genre der Phantastik. Nach ihrem Abschluss begab sie sich auf eine einjährige Reise durch Europa auf den Spuren der alten Geschichtenerzähler. Sie lebt in der Nähe von Hamburg.


Grim
Band 1: Das Siegel des Feuers
Band 2: Das Erbe des Lichts


Gebundene Ausgabe: 716 Seiten
Verlag: Lyx (8. April 2011)
ISBN-10: 3802583043
ISBN-13: 978-3802583049


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