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Sonntag, 9. Januar 2011

[Rezension] Die Spur der Hebamme von Sabine Ebert


Mark Meißen, Christiansdorf Anno 1173: Markgraf Otto hat den Ritter Christian und seine Frau, die Hebamme und Heilerin Marthe in den Stand der Edelfreien erhoben. Beide haben Otto die Lehenstreue geschworen und sind unter Jubel wieder in Christiansdorf eingezogen, glückliche Zeiten sind angebrochen, der Widersacher Randolf ist auf einem Kreuzzug im Heiligen Land. Christian und Marthe gelangen zu großem Ansehen, nicht nur dass sie den Silberabbau vorantreiben und so Wohlstand in Christiansdorf herrscht, auch gelingt es ihnen, im Dorf Frieden zu wahren.

Eines Tages wird Christian wieder zum Markgrafen Otto gerufen, dieser hat schlechte Nachrichten, Randolf befindet sich auf dem Rückweg in die Mark Meißen. Aber nicht nur das, Markgraf Otto erhebt den Feind Marthes in den Stand des Burgvogtes von Christiansdorf.

Gewarnt, versteckt Christian Marte und ihre gemeinsamen Kinder bei einem befreundeten Paar, um seine Familie vorerst in Sicherheit zu wissen, da er auf Ottos Geheiß eine Reise antreten muss.

Doch Marthe wird verraten und sogar der Hexerei bezichtigt, Raimund und seine Frau Elisabeth können lediglich die Kinder Marthes verstecken.

Marthe wird in Ketten abgeführt und landet im Verließ, wo die junge Frau auf grausame Weise gefoltert wird. Ein übereifriger Pfarrer treibt einem Urteil entgegen und verlangt ein Gottesurteil. Dieses besteht Marthe, da sie unerwartete Hilfe erhält. Sie wird wieder in das Verließ gesteckt, vielen ist sie einfach ein Dorn im Auge und gehört damit beseitigt. In Erwartung erneuter Folter wird sie von einem ihrer früheren Peiniger aus dem Verließ gerettet.

So befindet sie sich erneut in Gefangenschaft, Ritter Ekkehart hat Marthe auf seine Burg entführt und dort wird die junge Frau von einer alten Heilerin gepflegt, Marthe ist dem Tode näher als dem Leben.

Unterdessen ist Christian zurück und die Suche nach seiner Frau beginnt ...


Kritik

Mit "Die Spur der Hebamme" ist der Autorin eine gelungene Fortsetzung zu ihrem Erstling "Das Geheimnis der Hebamme" gelungen, mit der sich Sabine Ebert noch gesteigert hat. Drei Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils setzt dieser Roman an.

Die Geschichte Ihrer Protagonisten Christian und Marthe bettet die Autorin geschickt in die historisch belegten Vorkommnisse der Zeit ein. Das Leben, das die verschiedenen Stände im Mittelalter geführt haben, ebenso die Kampftechniken und historische Begebenheiten hat Sabine Ebert gründlich recherchiert und bindet ihre fiktive Geschichte perfekt in die realen Ereignisse ein.

Mit ihrem lebendigen und plastischen Schreibstil schafft die Autorin es, den Leser an die Geschichte zu fesseln. Die Schicksalsschläge, mit denen die Protagonisten umgehen müssen, werden detailliert und authentisch beschrieben, die damaligen Verhältnisse sind glaubwürdig dargestellt. Die Autorin schafft es, die Geschichte der Region lebendig werden zu lassen und entführt die Leser in eine Zeit, in der die meisten Menschen der Willkür höheren Standes Geborener ausgeliefert waren. Auch die beginnende Hexenverfolgung und die Brutalität, die angewandt wurde, um eine Hexe zum Geständnis zu zwingen, wird authentisch beschrieben.

Das Buch ist in vier Teile aufgegliedert, die sich jeweils um ein Thema drehen. Im Ersten "Gefährliche Begegnungen" wird noch das friedliche Leben in Christiansdorf beschrieben, aber die ersten Begegnungen, die zu den weiteren Vorfällen führen, werden geschildert. Im zweiten Abschnitt "Spurlos verschwunden" beginnen der Verrat und die Festnahme Marthes. Mit dem dritten Teil "Die Zeit der Feigheit und des Verrats" und dem letzten "Auf Leben und Tod" fügen sich die Ereignisse zusammen.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht einer dritten Person. Dem Leser werden so die verschiedenen Ereignisse der einzelnen Protagonisten erzählt, und fügen sich zu einem glaubwürdigen und ineinander passenden Gesamtbild zusammen.

Die Zeichnung der Protagonisten ist vielfältig und die Autorin schafft es, ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Die Charaktere entwickeln sich weiter und lernen aus den Erfahrungen, die ihnen selber und nahestehenden Personen zustoßen. Die Personen, die dem Leser ohnehin schon ans Herz gewachsen sind, beweisen, dass sie das Zeug haben zu reifen und sich dabei nicht selber zu verlieren.

Die nun Edelfreie Marthe arbeitet gegen ihren Stand weiter als Hebamme und Heilerin. Dass sie mit ihren Behandlungen mehr Erfolg als so mancher Medicus hat, bringt Neider auf den Plan und ist auch ihrem Ruf nicht zuträglich. Auch der Kirche ist die selbstbewusste junge Frau schnell ein Dorn im Auge und ein eifernder Beichtvater bringt Marthe ist Schwierigkeiten. Die Entwicklung der jungen Frau ist sehr glaubwürdig und anderes als im ersten Band steckt sie die zerstörenden Erlebnisse nicht mehr so einfach weg. Dies trägt dazu bei, dass diese Figur glaubwürdiger wird.

Auch der Ritter Christian und Ehemann Marthes ist glaubwürdig konzipiert, die Rachegelüste denjenigen gegenüber, die seine Frau in Misskredit bringen, sind leicht nachvollziehbar. Dadurch zeigt sich, dass der an Ehre glaubende und nach den Tugenden der Ritterschaft lebende Edelfreie durchaus hart gegenüber seinen Mitmenschen werden kann und diese auch rächt. Auch die weiteren Charaktere sind komplex und attraktiv gezeichnet, die Grenze zwischen Gut und Böse aber klar. Überraschende Wendungen bei den Protagonisten gibt es selten, sofern diese aber vorkommen, sind sie realistisch durchdacht.

Die hier besprochene Sonderausgabe erhält neben dem Nachwort, in dem die Autorin auf die Geschichte und die historischen Ereignisse eingeht, auch ein ausführliches Personenregister, in der historisch belegte Personen gekennzeichnet sind und ein Glossar, das altertümliche Begriffe erklärt. Ein exklusiver Text, in dem Sabine Ebert beschreibt, wie sie durch den Roman "Das Geheimnis der Hebamme" Kontakt zu der Mittelalter-Szene bekam, rundet das Buch ab.

Das Cover ist passend zur ersten Sonderausgabe gestaltet, dieses Mal zeigt es eine junge Frau, die standesgemäß gekleidet ist, vor blauem Hintergrund.


Fazit

Der zweite Teil der Hebammen-Saga, "Die Spur der Hebamme" ist eine würdige Fortsetzung des ersten Teils, in dem die Protagonisten gereift sind und sich neuen Herausforderungen stellen. Eine Steigerung zum ersten Band der Reihe ist deutlich vorhanden.

Die erstklassige historische Recherche macht deutlich, wie erschreckend das Mittelalter sein konnte. Nicht nur der Willkür der Obrigkeit waren die Siedler ausgesetzt, auch vor Vergewaltigung und Folter wurde kein Halt gemacht, wenn es darum ging, Menschen zu schaden und in Verruf zu bringen. Dass der Stand nicht immer schützte, wird deutlich gemacht.

Diese spannend erzählte Geschichte kann bedenkenlos an historisch Interessierte weiterempfohlen werden, der historisch authentische Hintergrund vor dem die Geschichte der jungen Hebamme spielt, macht die Geschichte der Region lebendig.


Autorin

Sabine Ebert (* 1958 in Aschersleben) ist eine deutsche Journalistin und Romanautorin.

Geboren in Aschersleben wuchs Sabine Ebert in Berlin auf. Sie absolvierte ihr journalistisches Volontariat in Magdeburg und studierte in Rostock Lateinamerika- und Sprachwissenschaften. In ihrer Wahlheimat Freiberg/Sachsen war sie 1990 Mitbegründerin der ersten unabhängigen Zeitung der Stadt, deren Redaktion sie mehrere Jahre leitete. Ab 1995 war sie freiberuflich für Tageszeitungen, Fernsehen und Hörfunk tätig und veröffentlichte darüber hinaus eine Reihe von Sachbüchern zur Geschichte Freibergs, darunter das Freiberger Jahrbuch (1991-2006), das die wichtigsten regionalen Ereignisse des Jahres zusammenfasst.

Im Jahr 2006 erschien Sabine Eberts Romandebüt im Knaur-Verlag: "Das Geheimnis der Hebamme", Auftakt einer fünfbändigen Saga über die Siedlerzüge in den Osten und die ersten Silberfunde im Erzgebirge zur Zeit Barbarossas. Drei Fortsetzungen liegen bereits vor.

Sabine Ebert lebt in Freiberg. (Quelle: Wikipedia)



Taschenbuch: 672 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. November 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3426636954

Leseprobe

Die Reihe:
Das Geheimnis der Hebamme
Die Spur der Hebamme
Die Entscheidung der Hebamme
Der Fluch der Hebamme

©Nadine Warnke



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