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Sonntag, 17. Juli 2011

[Rezension] Maria Dahvana Headley – Die Königin der Unsterblichen



Ägypten 30 v. Ch. Kleopatra von Ägypten hat alles verloren, was eine Frau und Königin verlieren kann. Nicht nur der Tod ihres geliebten Marcus Antonius treibt Kleopatra in die Verzweiflung, auch der Verlust ihrer Kinder und der verlorene Krieg gegen Rom und Octavian treibt sie zu einer Verzweiflungstat.
Zu ihrer und Ägyptens Rettung beschwört Kleopatra, genährt von ihrem Hass auf Rom und den neuen Herrscher Octavian, Sachmet, die von Ägyptens Göttern verbannte Göttin des Krieges. Ihr Plan Ägypten und ihre Familie zu rächen geht aber aufgrund eines Fehlers in der uralten Beschwörung nicht auf und Kleopatra verliert ihre Seele an Sachmet, die sie nun für ihre Zwecke missbraucht.
Sachmet verwandelt Kleopatra in eine vampirähnliche Kreatur, die nur noch in der Dunkelheit existieren kann und eine unstillbare Gier nach frischem Blut entwickelt. Doch ein kleiner Teil ihrer Menschlichkeit ist Kleopatra geblieben und so sucht sie, neben der Rache an Rom und Octavian, einen Weg dem Handel mit Sachmet zu entgehen. Doch wie besiegt man eine unsterbliche Göttin?


Kritik

Mit ihrem Debüt "Die Königin der Unsterblichen" hat die Newcomerin Maria Dahvana Headley den mystischen Beginn einer Trilogie, vor historischem Hintergrund, veröffentlicht. 

Auf eine sehr interessante Art verwebt die Autorin hier geschichtliche Fakten mit Fantasy und alter Mythologie. Durch den Selbstmord Kleopatras wird dem Leser eine neue, mystische Version ihres Todes erzählt. Schon der Prolog, geschrieben wie ein Tatsachenbericht von dem Hauslehrer Kleopatras Kinder, Nikolaus von Damaskus, üben einen unwiderstehlichen Reiz auf die Leser aus. 

Mit oftmals poetisch anmutenden Beschreibungen schafft die Autorin eine mystische Stimmung zu vermitteln, trotzdem lässt sich das Buch flüssig lesen. Bildgewaltig und authentisch erzählt die Autorin die lebendige und vielschichtige Handlung. Leider verliert sich die Autorin teilweise in den sehr ausführlichen Beschreibungen, so das in den ersten zwei Dritteln kaum Spannung aufkommt und der Roman etwas langatmig wirkt. Erst im letzten Drittel zieht die Spannung etwas an, um in einem gewaltigen Showdown zu enden. Auch versäumt die Autorin, die Schauplätze ihrer Handlung bildhaft zu beschreiben. 

Verschieden Mythen um alte die alten Götter und auch Hexen, vereinen sich in "Die Königin der Unsterblichen" auf eine sehr interessante Art, was einen ganz eigenen Charme ausübt. Besonders Leser, die sich mit diesen Überlieferungen schon einmal beschäftigt haben, dürften hier einen besonderen Leckerbissen finden. 

Mit dem Fokus auf alle wichtigen Figuren lässt uns ein Beobachter an dem Plot teilhaben. Interessant ist es dabei vor allem das der Leser nicht nur die Perspektive Kleopatras und Octavians miterlebt, sondern die Geschichte auch aus der Sicht der verschiedenen Sagengestalten wahrnimmt. Zeitweise kommt es zwar aufgrund der Perspektivenwechsel zu Brüchen von mehreren Tagen, was schon mal zu Fragen führen kann, genauso ist es aber auch interessant zu lesen was sich zum Beispiel die Priesterin der Hekate von den Ereignissen  verspricht. Lediglich die Göttinnen bleiben etwas im Dunkeln, da dieser Betrachtungswinkel völlig ausgelassen wird. 

Viele historisch verbürgte Personen, aber auch verschiedene Sagengestalten und auch alte Götter bekommen von Maria Dahvana Headley einen Platz in "Die Königin der Unsterblichen". Was hier schon außergewöhnlich ist, trotz vieler wichtiger und unverzichtbarer Protagonisten wirken alle wichtig für den Verlauf der Geschichte. Die Hintergründe ihres jeweiligen Handelns sind schlüssig und fügen sich in den Verlauf, den die Geschichte nimmt, brillant ein. Allerdings fällt es schwer oder auch schon fast unmöglich ist, Partei für eine Seite zu ergreifen. Auch wenn der Leser mit Kleopatra schon fast mitleidet und ihre Trauer um den verstorbenen Marcus Antonius und den Verlust ihrer nun römischen Kinder nachvollziehen kann, einen wirklichen Bösewicht scheint es hier nicht zu geben. 

Neben der nun untoten Kleopatra, ihren Kindern und verschiedenen bekannten Römern, gibt es da dann auch noch eine Schicksalsweberin, die auf ihrem Spinnrocken geschickt die Fäden des Schicksals immer wieder neu webt, eine alte Priesterin der Göttin Hekate die ihrem eigenen Angelegenheiten folgt und auch einen Psylli, der mit der Tochter des Westwindes verheiratet ist und so manches Geheimnis vor allen anderen erfährt. 

Das Cover ist dem Verlag wirklich passend gelungen. Nicht nur das eine junge Frau abgebildet ist, die an Kleopatra erinnern soll, auch die Schlange, die für ihren Tod steht und alter Schriftzeichen im Hintergrund zeigen deutlich das Ägypten und besonders Kleopatra eine Rolle spielen, auch ohne den Klappentext gelesen zu haben. 

In einem Nachwort geht die Autorin noch kurz auf die geschichtlichen Hintergründe sowie auf ihre Idee dazu ein.


Fazit

Die vielversprechende Autorin Maria Dahvana Headley hat mit ihrem Debütroman "Die Königin der Unsterblichen" eine ansprechende Version der historischen Geschichte um Kleopatra aufs Papier gebracht. 

Vom historischem Hintergrund mal abgesehen, ist "Die Königin der Untersterblichen" ein solider Titel aus dem Genre Fantasy.  Lediglich der fast völlig fehlende Spannungsbogen und dadurch entstehenden Längen sind hier ein Kritikpunkt. Dies wird sich hoffentlich in den weiteren Bänden verbessern, hier darf ja auch nicht vergessen werden, dass es sich hier mehr um eine Einleitung zu der Geschichte handelt. 

Mit Spannung können die weiteren Teile der Trilogie erwartet werden, ich denke Maria Dahvana Headley hat soviel Potenzial, das sie uns Leser noch so manches Mal überraschen wird.

Acta est fabula


Autorin

Maria Dahvana Headley veröffentlichte bereits mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien. Sie lebt mit ihrem Ehemann, dem Dramatiker Robert Schenkkan, in Seattle. "Die Königin der Unsterblichen" ist ihr erster Roman.

Taschenbuch: 528 Seiten
Verlag: Knaur TB (1. Juni 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426508931
ISBN-13: 978-3426508930
Originaltitel: Queen of Kings


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